2014-02-04

Rechtschreibreform - auf Du und Du mit Sprachfälschern

This post deals with German grammar so it is in German.

Seit längerer Zeit gab es jetzt mal wieder nichts zu hören. Es gibt keine Entschuldigung dafür, außer, dass nicht viel Aufregendes passiert ist. Heute jedoch habe ich mich ein wenig aufgeregt. Über Facebook. Aber nicht, weil wieder einmal die Datenverkaufs- - Verzeihung - Datenschutzrichtlinien geändert wurden oder die Seitengestaltung, sondern eines kleinen Satzes auf der ersten Seite wegen, noch bevor man sich anmeldet: "Dank dir werden wir 10 Jahre alt". Mal davon abgesehen, dass ich so lange noch nicht bei Facebook angemeldet bin, mal abgesehen davon, dass ich auch auf die bedeutend geringere Zeit nicht sonderlich stolz bin und mal davon abgesehen, dass der Satz keinen Punkt am Ende hat, stört mich an diesem Satz ein einzelnes Wort. Es ist "dir".

Bild entliehen von der großartigen Seite knowyourmeme.
An diesem Satz wiederum und am letzten "dass-Satz" des vorherigen Satzes können diejenigen, die mich kennen, wahrscheinlich schon erkennen, worum es in diesem Artikel gehen wird. Jaja, ich mache meinem Ruf als "grammar nazi" mal wieder alle Ehre. Und nein, das hat nichts mit Rechtsradikalen zu tun, sondern hat andere Ursprünge. Ich komme nämlich aus dem Internet und da ist dies ein (zugegebenermaßen) eher abfälliger Begriff für Menschen, die noch ein wenig Wert auf Rechtschreibung und Ausdruck legen. Zu diesen zähle ich mich, obwohl ich aus dem Internet komme, noch immer. Vielleicht wäre es angebracht, an dieser Stelle kurz auszuholen, warum ich zumindest Sprache wertschätze, doch das würde sicher schon alleine mindestens einen Artikel füllen. (An andere Stelle werde ich dem sicher einmal Raum gewähren ...) Belassen wir es also dabei, dass ich ein Freund der Sprache bin und jedes Mal heimlich weine, wenn ein weiteres deutsches Wort durch einen Anglizismus ersetzt wird, wenn ein englisches Wort Opfer einer weiteren Abkürzung wird oder wenn mal wieder jemand egal in welchem Land eine als Rechtschreibreform getarnte Sprachfälschung durchführt. Aber genug der unnützen Worte und zurück zu "dir". (Und auch zurück zu Dir/Ihnen, lieber Leser.)

Es geht nicht darum, dass ich mich gerne über Internetschreibweise aufrege - was nebenbei eine ganze Menge vergeudeter Energie mit sich bringen würde (oder diese eher abführen würde) - sondern es geht darum, dass "dir" in diesem oben erwähnten Satz völlig falsch ist und der Satz keinen Sinn macht. Linguistisch gesehen zumindest. Tatsächlich geht es also natürlich auch nicht um Facebook, sondern um Rechtschreibung. Viele werden sich (hoffentlich) noch erinnern, dass vor diversen Rechtschreibreformen in Briefen (das sind quasi E-Mails auf Papier, für die, die wie ich aus dem Internet kommen) einmal die Regel galt, die direkte Anrede GROß zu schreiben. Also "Du", "Dir", "Ihr", "Sie" und so weiter. Das sieht man heutzutage leider nur noch sehr selten. Naja, Briefe sieht man heutzutage nur noch selten. Es geht aber nicht um die Art des Schriftstückes, auch nicht um Höflihckeit oder Ehrerbietung, sondern um die Wortart. Es geht nicht um persönlichen Geschmack, wie man sein Gegenüber ansprechen möchte, sondern um eindeutig richtig und eindeutig falsch. Vor diesen ominösen Rechtschreibreformen also wurde unterschieden zwischen "Du" und "du". "Du" war/ist eine persönliche, definite Anrede. "du" hingegen war/ist eine unpersönliche, indefinite Anrede. So wie "man".

Ein Beispiel: Angenommen, der Freund rät dem Freunde in einem Brief (oder in einer E-Mail ...), seiner Angebeteten (so hieß das früher) einen Liebesbrief zu schreiben (Ihr merkt, ein fiktives Beispiel) und malt ihm aus, was passieren würde, wenn sich die beiden schließlich träfen. Nehmen wir folgenden Satz aus diesem Briefe: "Und dann wird sie Dir tief in die Augen blicken ..." - Ihm allein. Das ist nämlich, was dieser Satz aussagt. Ist das romantisch ... Ok, Spaß bei Seite. "Und dann wird sie dir tief in die Augen blicken." hingegen würde bedeuten, dass sie jedem tief in die Augen blicken würde, der da gerade vorbeigelaufen käme. Ziemlich trübe Aussicht, oder? "Du" meint nur den Adressaten allein, "du" kann man wie oben erwähnt auch durch "man" ersetzen. Macht schon einen nicht zu unterschätzenden Unterschied, oder?

Zusammengefasst ist "Du" statt "du" in persönlicher Anrede also auch nach jeglicher Sprachverfälschung  daher sicher die bessere Wahl. Und auch, wenn der Urpsrung dieses Unterschiedes eigentlich nichts mit Höflichkeit zu tun hat, empfinde ich zumindest eine E-Mail oder einen seltenen Brief trotzdem als ungleich höflicher, wenn "Du" statt "du" darin zu lesen steht.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Abend.

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